Mandibular Anterior Repositioning Appliance
Umpositionierung des Unterkiefers
- Konfektionelle oder individuelle angefertigte Funktionselemente
- Es wirken nur die eigene Kräfte der Muskulatur
- Festsitzende und zugleich unauffällige Apparatur
Positives Feedback aus der Ferne
Im Falle eines zurückliegenden Unterkiefers kann durch diese - derzeit noch recht innovative - Maßnahme eine Wachstumsstimulation erreicht werden. MARA steht für Mandibular Anterior Repositioning Appliance, die Umpositionierung des Unterkiefers.
Es handelt sich um eine festsitzende Apparatur, bei der auf die hinteren Seitenzähne im Ober- und Unterkiefer individuelle Funktionselemente angebracht werden.
Die beiden Paare, je eines an Unter- und Oberkiefer, sind so angeordnet, dass sie beim Schließen des Kiefers vollständig wie eine Art Gelenk ineinander gleiten und somit den zurückliegenden Kiefer nach vorne hin „auffangen“. Der große Vorteil besteht darin, dass nur die Kräfte der eigenen Muskulatur diese natürliche Bewegung bewirken müssen und kein zusätzlicher Druck nötig ist.
Dazu wird bei der Patientin zunächst eine Abformung des Ober- und Unterkiefer zur Erstellung von Gipsmodellen angefertigt. Ähnlich wie bei der Herstellung einer Zahnkrone werden passgenaue Funktionselemente im Labor gegossen. Auf den Herstellungsprozess bzw. die Arbeit des Zahntechnikers wird am Ende dieses Artikels noch genauer eingegangen.
Um eine möglichst genaue Übertragung der Lage des Oberkiefers im Schädel und der Lage der beiden Kiefer zueinander für den Zahntechniker zu gewinnen, wird eine dreidimensionale Vermessung des Schädels durchgeführt.
Nachdem die Funktionselemente vom Labor fertig gestellt wurden, prüft der Kieferorthopäde im Mund der Patientin deren Passgenauigkeit, um sie dann mit einem Kleber zu fixieren.
Dazu werden zunächst die betroffenen Zahnoberflächen zur besseren Haftung angeraut. Nach dem Ankleben und der Aushärtung wird der Überschuss des Klebers entfernt.
Geschickt führt das Team der zahnmedizinischen Fachangestellten für Kieferorthopädie alle Schritte routiniert und professionell durch.
Die Praxis wendet diese Methodik schon seit Jahren in Zusammenarbeit mit einem Dentallabor in Frankenthal an. „Wir sind sehr froh mit der Dentin Zahntechnik GmbH und dem Zahntechniker Herrn Löhr eine gefunden zu haben. Er fertigt seit langem Inlays und Kronen an und ist somit sehr erfahren auf diesem Gebiet“ so Dr. Weber.
Auch die Patientin hat nach dem Einsetzen der Apparatur, welche ca. ein Jahr ihre Wirkung erbringen soll, Grund zur Freude. Die tropfenförmige Anatomie der Funktionselemente erleichtert die Eingewöhnung.
Beim Sprechen sind die Metallelemente unsichtbar, außerdem bleibt die Aussprache unverändert.
Im konkreten Fall trägt die Patientin zu der MARA-Apparatur, welche den Biss korrigiert, noch zusätzlich die transparente Clear Aligner Zahnspange zum Richten ihrer Zahnfehlstellungen.
Ein weiterer Patient, welcher die MARA-Apparatur bereits seit einiger Zeit trägt, kann auch nichts Negatives über die Trageeigenschaften berichten. Ungewohnt sei das Tragegefühl allenfalls die ersten Tage gewesen, anfängliche Schmerzen beim Kauen jedoch rasch verschwunden.
Apropos Kauen - Kaugummi sollte, wie auch bereits bei der festen Apparatur erwähnt, vermieden werden. Die zähe Struktur setzt sich schnell im Metall und den Klebeschnittstellen fest. Auch dieser Patient trägt, zur Korrektur seiner Schneidezähne, die transparente Clear Aligner-Schiene in Kombination.
"Ich stelle Dir heute eine Möglichkeit vor, mit der Du um eine feste Bracketzahnspange herum kommst" so Herr Dr. Weber im Vorgespräch mit der sichtlich strahlenden Patientin. Die 19-Jährige leidet, neben ihrem zu weit nach hinten gelagerten Unterkiefer, regelmäßig unter Kiefergelenksschmerzen. Die Antwort nach der genauen Ursache dafür konnte letztendlich nur eine Kernspintomographie liefern, bei der durch Magnetfelder Struktur und Funktion von Gewebe, Organen und Knochen dargestellt wird. Dabei wurde festgestellt, dass ein versetztes Knorpelgewebe, welches normalerweise polsternd zwischen den unteren und oberen Knochen sitzt, die Schmerzen auslösen, da sozusagen „Knochen auf Knochen“ reibt.
„Die MARA-Apparatur wird Deinen zurückliegenden Unterkiefer korrigieren und gleichzeitig können wir mit der Clear-Aligner Kunststoffschiene an der Verbesserung Deiner Zahnfehlstellung arbeiten“, so erläutert es Dr. Weber der jungen Dame mit verständlichen Worten.
Mitten in der Frankenthaler Innenstadt liegt das gemeinschaftlich geführte Dentallabor, die Dentin Zahntechnik GmbH.
Das Team, bestehend aus drei Zahntechnikern sowie einer Auszubildenden, hat sich 2006 zusammen selbständig gemacht.
In Zusammenarbeit mit Dr. Weber, dem die Anwendung der MARA-Apparatur „von der Stange“ nicht optimal erschien, wurde diese Technik entwickelt.
Nachdem die bereits beschriebene, individuelle Abformung (siehe oben) des Patienten im Labor angekommen ist, werden zunächst die Werte der dreidimensionale Vermessung in den Artikulator ( = Kiefergelenkssimulator) übertragen.
Nachdem die Abformung mit dem flüssige Gips ausgegossen wurde und vollständig durchgehärtet ist, kommt schließlich eine exakte Kiefer- und Zahnnachbildung zum Vorschein.
Nun geht es an die Feinarbeit, zu der sehr viel Fingerspitzengefühl und exaktes Arbeiten notwendig ist, so der Zahntechniker Markus Löhr. Nachdem die Position der Funktionselemente an den jeweils ersten großen Backenzähnen (Sechser) markiert wurde, gestaltete der Zahntechniker darauf ein Wachsmodell.
Dies entspricht später exakt den Funktionselementen. Eine ruhige Hand und viel Geduld sind notwendig, da das dünne Wachs sehr schnell reißen kann. Ein Gusskanal aus Wachs wird außerdem mit der Modellation verbunden, damit später darin die flüssige Legierung einschießen kann.
Bilden die beiden provisorischen Funktionselemente ein harmonisches Zusammenspiel, so werden die Wachsteilchen in einem sogenannten Polymerisationsgerät ausgehärtet und im Anschluss adäquat beschliffen.
Der Artikulator, in den das Modell inzwischen dank der räumlichen Vermessung des Schädels eingespannt ist, ermöglicht dem Zahntechniker während dem ganzen Herstellungsprozess eine dreidimensionale und maßstabsgetreue Ansicht.
Das anschließende Außgießen im sogenannten Muffelofen, Feinschliff und Politur des Rohgusses und die Endkontrolle bilden den Abschluss dieser rund zwei Arbeitstage andauernden Technik.
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