Konkrete Fallbeispiele

zum Thema Kosten aus unserer Praxis

Einer kieferorthopädischen Behandlung sollte immer eine individuelle Beratung und Planung vorausgehen! Erst wenn die Ziele und Abläufe der Behandlung festgelegt wurden, lässt sich der Umfang der Gesamtinvestitionen überblicken. Dennoch möchte der Patient wissen, welche Kosten im Verlauf der Behandlung auf ihn zukommen.

Grundvoraussetzung ist daher, dass der Kieferorthopäde möglichst viele Techniken beherrscht und diese auch anwenden kann, um die Bedürfnisse seiner Patienten befriedigen zu können. Auf dieser Basis ist es einem erfahrenen Fachzahnarzt möglich, den Gesamtumfang einer Therapie vor Behandlungsbeginn planen zu können.

Dennoch gibt es aber auch Faktoren, die nicht absehbar sind - wie beispielsweise mangelnde Tragedauer der Apparatur, Unfälle und Reparaturen. Lässt man die letzten Punkte zunächst außer Acht, so lässt sich der Gesamtumfang sowie der Behandlungsbeginn mit dem Patienten besprechen. Vorsicht vor verdeckten Kosten während der Behandlung und Nachsorge! Es sind im Folgenden exemplarisch einige Beispiele von drei kieferorthopädischen Faktoren dargestellt, welche die Kosten des Patienten beeinflussen können.

Als weiterführende Literatur sei das Buch der Stiftung Warentest „Kieferorthopädie: Zahnspange – ja oder nein?“ (ISBN: 978-3-86851-149-9) zu empfehlen.

Beispiel 1: Lückenhalter / Kreuzbiss

Was kostet Zahnspange? Beispiel 1: Lückenhalter / Kreuzbiss

Kommentare zum Röntgenbild (OPG)

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Brechen Eckzähne aufgrund eines massiven Platzmangel (wie hier gezeigt) nicht durch, ist mit Zuschüssen aus der gesetzlichen Krankenversicherung alleine eine Behandlung mit Erhalt aller Zähne selten möglich. Eigenbeteiligungen des Versicherten sind dann die Folge. Eine frühe Kontrolle und überwachende Maßnahmen können helfen, die Kosten zu verringern (siehe Beispiel 2).

2

Die enge Keimlage lässt vermuten, dass später ggf. eine umfangreiche Behandlung nötig wird. Da jetzt ein Kreuzbiss vorliegt (d.h. KIG ist jetzt erreicht), ist in einer Gesamtplanung abzuwägen, welche Schritte zu welchem Zeitpunkt unternommen werden sollen. Ist der Erfolg bei einer frühen Behandlung bereits ausreichend, das Gesamtergebnis jedoch noch nicht insgesamt befriedigend, können die folgenden Therapiemaßnahmen zu vollen Lasten des Versicherten gehen, wenn KIG-Schweregrade später nicht mehr erneut erreicht werden.

3

Ist ein Milchzahn zu früh verloren gegangen, ist es häufig sinnvoll, einen Platzhalter einzusetzen. Herausnehmbare Platzhalter übernimmt die gesetzliche Krankenkasse zu 100%. Festsitzende Platzhalter sind Wunschleistungen und meist keine Kassenleistungen.

Die KIG-Regeln sehen einen Regelbehandlungszeitraum in der „zweiten Phase des Wechselgebisses“ vor, d. h. wenn die seitlichen kleinen Backenzähne durchbrechen. Dies ist meist zwischen dem 10. und 12. Lebensjahr der Fall. Es gibt jedoch Ausnahmen, die es erlauben, auch früher zu behandeln. Hierzu zählt beispielsweise der Kreuzbiss. Hier bezuschusst die gesetzliche Krankenkasse für bis zu 18 Monate eine frühe Behandlung. Da meist mit einfachen Apparaturen gearbeitet wird, werden diese häufig von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.

Nach Aussage der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik ist jedoch vor jeder Behandlung eine Untersuchung des gesamten Kauapparates erforderlich. Zitat:

"Indikationen: Der Indikationsbereich und die Ziele der klinischen Funktionsanalyse erstrecken sich auf: (...) Kieferorthopädische Behandlungsplanung (erste, zum Teil diskrete Symptome können bereits bei Kindern und Jugendlichen vorhanden sein und müssen daher auch im Rahmen einer kieferorthopädischen Behandlung Berücksichtigung finden)."

Eine begleitende Funktionsdiagnostik wird in den meisten Fällen in einem Bereich von 150 bis 500 Euro liegen.

Die Kosten schwanken - je nach Befunden im Kauapparat sowie der Notwendigkeit an Wiederholungen der Maßnahme. Im vorliegenden Beispiel leidet die Mutter der Patientin unter permanenten Kopfschmerzen. Sie bestand nach einer ausführlichen Untersuchung und Beratung ihrer eigenen Person darauf, mit ihrem Kind ebenso zu verfahren. Glücklicherweise waren beim Kind noch keine negativen Befunde zu erheben, so dass sich die Kosten neben den Maßnahmen der gesetzlichen Krankenkasse auf ca. 180 Euro in zwei Jahren beschränken ließen.

Beispiel 2: Zähne ziehen ja/nein und feste Zahnspange

Beispiel 2: Zähne ziehen ja/nein und feste Zahnspange

Kommentare zum Röntgenbild (OPG)

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Es sind keine Weisheitszähne angelegt. Die kostengüstigste und einfachste Variante würde hier im Entfernen von vier kleinen Backenzähnen bestehen. Dies wäre jedoch sehr schade, da durch die Nichtanlage der Weisheitszähne bereits vier Zähne fehlen. Insgesamt würde sich die Zahnzahl so um acht reduzieren. Es stellt sich daher die Frage, ob durch Lückenöffnung alle Zähne erhalten werden sollen. Der apparative Mehraufwand ist bei vielen der dafür notwendigen Geräte keine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse. Dies kann je nach Gerät 300 bis 1.000 Euro ausmachen.

2

Unterstützt wird die Lückenöffnung durch spezielle, moderne Bracketsysteme, wie Damon Q, Smart-Clip, Innovation oder Speed. Der Mehraufwand für diese Systeme liegt je Bracket zwischen 5 und 25 Euro. Hinzu kommen spezielle Drahtbögen, die je Draht bei ca. 40 Euro liegen können.

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Für den Eckzahn besteht erheblicher Raummangel. Eine einfache Behandlungsmethode ist die Entfernung von 4 bleibenden Zähnen (siehe auch 1). Dies ist oft auch die kostengünstigste Variante und wird bei reinen Kassenbehandlungen angewendet. Die Risiken für die Patientin bestehen in einer Verschlechterung des Aussehens (Gesichtsprofil), Verkleinerung und Verschmälerung der Atemwege (Oberkiefer) und im insgesamt kleiner werdenden Kauapparat.

Die Gesamtsituation zeigt mehrere Behandlungsaufgaben: Fehlbiss, Platzmangel, Schiefstände. Wird die Grundbehandlung sinnvoll ergänzt (Der Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse liegt zwischen 3.000 und 4.000 Euro), so können für den Patienten folgende Maßnahmen sinnvoll sein:

Schnelllaufende, reibungsarme Brackets, schmerzarme Brackets (500 bis 1.000 Euro wie zum Beispiel Speed, Damon, Smart-Clip, In-Ovation). Versiegelungen vor dem Kleben der Brackets auf den späteren Klebestellen, regelmäßige Erneuerung der Lackierung und entsprechende Reinigung während der Behandlung (800 bis 1.500 Euro je nach Dauer und Umfang der Therapie).

Beispiel 3: Maximalbehandlung bei Kiefergelenkdefekt

Beispiel 3: Maximalbehandlung bei Kiefergelenkdefekt

Kommentare zum Röntgenbild (OPG)

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Die Mittenabweichung bei gleichzeitigem Abbau des linken Gelenkkopfes zeigt, dass eine „einfache“ Zahnkorrektur hier nicht sinnvoll ist. Die Probleme des Patienten sind umfassender.
2
Starke Bruxfacetten (Abschleifspuren vom Knirschen oder Pressen) zeigen Fehlfunktionen des Kauapparates. Eine Vorbehandlung mit Schiene ist sinnvoll. Einfache Schienen können von der gesetzlichen Krankenkasse bezuschusst werden. Im Beispielfall wäre jedoch eine hochwertige Schiene ("Michiganschiene") sinnvoll. Die Eigenbeteiligung kann dann hierfür bei 300 bis 800 Euro, bei Langzeit-Schmerzpatienten auch noch weit höher liegen.

Unser Patient ist Profitänzer. Daher stand für ihn von Anfang an fest, dass eine Behandlung unsichtbar, schnell und effektiv sein muss. Neben funktionellen Maßnahmen wie Schiene und entsprechenden begleitenden Untersuchungen (MRT und MSA) ist eine Reihe von Apparaturen nötig, die nicht von der gesetzlichen Krankenkasse bezuschusst werden. Zudem ist der Patient über 18 Jahre alt, so dass Zuschüsse meist nur dann gegeben werden, wenn ein operativer Eingriff erforderlich ist.

Der Patient entschied sich für eine Herbstapparatur und einen „Bite-Retainer“, zusätzlich zu einer Multibandapparatur. Da die Apparatur nicht zu sehen sein sollte, wurde eine innen geklebte Spange zum Einsatz gebracht. Die Gesamtkosten einer solch umfangreichen Therapie mit den nötigen Untersuchung erreichen den Bereich von 10.000 bis 15.000 Euro. Wäre der Patient unter 18 Jahre, könnte er mit einem Kassenzuschuss von 3.000 bis 4.000 Euro rechnen.

Maximalbehandlung bei Kiefergelenkdefekt. Kommentare zum MRT-Bild.

Kommentare zum MRT-Bild

1
Der Kondylenkopf zeigt starke Abflachung, die wahrscheinlich über längere Zeit entstanden ist. Ein früheres MRT liegt jedoch nicht vor.
2
Die Knorpelscheibe des Gelenks liegt weit vor dem Gelenkspalt. Sie sollte eigentlich auf dem Gelenkkopf liegen. Im MRT zeigt sich jedoch, dass sie nicht mehr zu retten ist (Reposition). Dazu wäre, wenn überhaupt, eine Behandlung zu einem früheren Zeitpunkt erforderlich gewesen.

Unsere drei Beispiele zeigen nur Ausschnitte einer kieferorthopädischen Planung und den Therapiemöglichkeiten bei Gesamtkosten in einer Spanne von 1.500 bis über 15.000 Euro. Die Behandlungsdauer variiert dabei zwischen einem und mehreren Jahren. Die Zuschüsse der gesetzlichen Krankenversicherung liegen je nach Situation zwischen 0 und 4.000 Euro.

Sie sehen: Ihren individuellen Behandlungsumfang können wir nur mit Hilfe Ihrer Unterlagen mit Ihren individuellen Wünschen kalkulieren und besprechen!

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Gemeinschaftspraxis für Kieferorthopädie
Dr. Joachim Weber & Dr. Elisabeth Meyer

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