Ist eine GNE mit 15 Jahren noch machbar?

Frage von Frau G.P.:

Sehr geehrter Herr Dr. Weber,
ich möchte mich mit einer Frage an Sie wenden, die meine 15jährige Tochter betrifft, die einen einseitigen leichten Kreuzbiss hat.

Meine Tochter trägt seit über 5 Jahren eine lose Spange zwecks Kiefererweiterung.

Jetzt wäre es an der Zeit gewesen, die gesamte Zahnstellung mittels Brackets zu korrigieren. Ein Kreuzbiss im OK wurde bis zum Ende des letzten Jahres nicht festgestellt oder mir mitgeteilt. Nachdem zu Beginn des Jahres ein Arztwechsel in der Praxis stattgefunden hat, wurde ein Kreuzbiss bei meiner Tochter festgestellt.

Der soll jetzt mit einer GNE behandelt werden. Ich kann mir eine GNE sehr schmerzhaft und nicht gerade unproblematisch vorstellen, zumal meine Tochter seit gut 2,5 Jahren nicht mehr gewachsen ist, sodass ich davon ausgehe, dass ihr Wachstum weitgehend abgeschlossen ist.

Leider bin ich im Internet nicht fündig geworden, nach welchen Kriterien (meine Tochter hat keine Probleme mit der Atmung, keinen Sprachfehler, keine Kopfschmerzen etc.) und bis zu welchem Alter eine GNE sinnvoll ist oder ob es noch Alternativen gibt, den wirklich leichten Kreuzbiss zu beheben?

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mir diesbezüglich weiterhelfen könnten.
Mit freundlichen Grüßen
G.P.

Antwort Dr. Weber:

Sehr geehrte Frau P.,

die Überstellung eines Kreuzbisses ist auf zwei Arten denkbar:

Einerseits durch eine gegenläufige Zahnbewegung im Unter- und im Oberkiefer (dies ist meist bei kleinen Strecken sinnvoll, oder wenn der Kreuzbiss nur durch eine Zahnkippung entstanden ist), andererseits ist in den meisten Fällen eine Dehnung des Oberkiefers sinnvoll, insbesondere dann, wenn die Strecken größer werden.

Der Oberkiefer besteht aus zwei Knochenhälften die sich im Laufe der Kindheit ineinander bewegen und letztlich eine verzahnte Fuge bilden. An diesem Verknöcherungsprozess orientiert sich auch die Auswahl der Apparaturen. Im frühen Alter sind herausnehmbare Apparaturen oder eine auf Zähne geklebte Gaumennahterweiterung denkbar. Bis zum Alter von ca. 10 Jahren (je nach körperlicher Entwicklung) ist für die reine Dehnung ein Zeitraum von ca 6 Monaten mit beiden Varianten meist ausreichend.

Bis zum pubertären Wachstumsgipfel gewinnt dann die GNE Vorteile, da sie naturgemäß eine Tragezeit von 24 Stunden garantiert. Ist die Knochenfuge fest verbunden können reine Dehnungsversuche ein Risiko für die apparaturtragenden Zähne bedeuten: es kann sein, dass die Zähne leichter nachgeben, als der Knochen und die Zähne dadurch aus dem Knochen herausgedrückt werden. Zahnverlust kann also im schlimmsten Fall drohen.

Im Zweifel ist es daher ratsam die Knochenfuge mit einem kleinen chirurgischen Eingriff schwächen zu lassen. Wer dabei die Zähne besonders schonen will, verankert die GNE nicht auf Zähnen, sondern auf kleinen Mini-Implantaten. Damit kommt die Kraftwirkung direkt am Knochen an. Ihre Tochter liegt mit ihrem Alter und der von Ihnen beschriebenen Wachstumsverhältnisse sicher im Grenzbereich. Eine individuelle Beratung ist unverzichtbar und kann natürlich über das Internet nicht erfolgen.

Viele liebe Grüße
Ihr
Dr. Joachim Weber

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